Restaurierung einer Pliesterdecke
Nach einem Wasserschaden auf dem Spitzboden und durch Erschütterungen bei Dachreparaturen hat sich der Verputz der Plisterdecke in großen Bereichen gelöst.
Die Reste wurden anschließend abgetragen, die Fugen soweit ausgekratzt, dass der Untergrund genügend Tragfähigkeit erhält und der neue Putz sich gut verkrallen kann.
Die Plisterlatten wurden kontrolliert und in Teilen nachbefestigt, größere Lücken wurden mit Stroh überbrückt.
Der neue Aufbau erfolgt nach Befund mit zwei Lagen Kalk-Haar-Putz, Kalkfeinputz als Deckschicht und ein zwei- bis dreimaliger frescaler Kalkanstricht mit Kalkschlämme aus Kalkhydrat und Wasser 1:3.
Baustelle einrichten
Die Dielen aus Kiefernholz werden mit mehreren Lagen aus Vlies und Folie geschützt, da viel Schutt und Feuchtigkeit zu erwarten ist.
Anlegen von Musterflächen
Um den neuen Aufbau mit der Unteren Denkmalbehörde abzustimmen werden Musterflächen angelegt. Hier wird der Grundputz angetragen.
Musterfläche
- Grundputz
- ausgleichende Putzlage
- Feinputz, links geglättete, rechts geriebene Ausführung
- Kalkmilch, 1:3 Kalkhydrat zu Wasser, frescal aufgetragen
Anstrichproben
- Links zweimaliger Anstrich mit Kalkmilch
- Mitte einmaliger Anstrich
- rechts rohe Putzoberfläche
Auftragen des Grundputzes
Der Untergrund ist gründlich vorzunässen. Den Grundputz anwerfen oder mit dem Holzbrett antragen. Auf keinen Fall dürfen Glätteisen aus Metall verwendet werden, diese würden das Bindemittel an die Oberfläche ziehen, welches zu hohen Spannungen führt und der Putz hätte kein Bindemittel zur Verfügung, um an der Spalierdecke zu haften.
Fertiger Grundputz
Nachdem der Grundputz angezogen hat wird er mit dem Holzbrett abgerieben.
Der Putz sollte in regelmäßigen Abständen mit Wasser benebelt werden.
Die Sinterhaut ist später mit dem Holzbrett oder mit einem Rabo zu entfernen, bevor die nächste Putzlage aufgetragen werden kann.
Restaurierung der Fachwerk- und Ziegelwände
Die Wände waren vermutlich zuletzt mit einer Dispersionsfarbe gestrichen, was ggf. zu den Abplatzungen und Rissbildung beigetragen haben kann. Der darunterliegende Kalkputz "verhungerte", da ihm der Zugang zu Kohlendioxid abgeschnitten wurde, dies führt nach einiger Zeit zum Absanden des Putzen, wodurch obrige Schichten ebenfalls ihren Halt verlieren.
Die Deckfarbe lässt sich zu 3/4 der Fläche mit einem Schaber beinahe mühelos entfernen. Hierdurch kommen weitere Risse zum Vorschein, lose Bereiche und Abplatzungen lösen sich.
Der neue Aufbau erfolgt mit Kalkputz und Kalkfarbe, welche zu den Fachwerkwänden und mit Lehm verputzen Ziegelwänden gut harmonieren und gute Diffusion und Luftaustausch gewährleisten.
Anbinden von Hohllagen
Die Risse an den Wänden haben sich zu größeren Abplatzungen entwickelt, teilweise ist der Putz in großen Schollen heruntergefallen. Noch tragfähiger Putz wird mit Lehmsuspension an den Randbereichen wieder an den Untergrund gebunden. Das Ergebnis war zufriedenstellend.