Altbausanierung...
das klingt an sich ja schon nach einer Menge Dreck, viel Arbeit, etlichen Kompromissen und am Ende ist es eben doch nicht neu.
Aber ein Altbau ist soviel mehr als nur ein Haufen alter Steine.
Und die "alten Hütten" verfügen über eines, was Neubauten heute nur schwer erreichen- echten ehrlichen Charme, eben einfach Charakter. Jeder Altbau ist Einzigartig und hat seine ganz eigenen Besonderheiten.
Ganz zu Schweigen davon, dass es wohl kaum ressourcenschonender geht als das Alte zu bewahren und es zu etwas Neuem zu formen. Statt Tonnen von Bauschutt und etliche Kubikmeter neuer Steine, Konstruktionsholz und Dachziegel zu produzieren kann so mit wenig Materialaufwand dem Gebäude neues Leben eingehaucht werden.
Auf den nachfolgenden Seiten zeige ich euch die schönen Seiten der Altbausanierung,
Viel Spaß beim Stöbern!
Viele Grüße, Romy
Von der Kaufmannstochter zur Handwerkerin
So richtig gewusst hatte ich nie, was ich werden wollte und das erste Praktikum bei einem Maler war mehr meinem Trotz zuzuschreiben als ehrlichem Interesse.
Eine Woche ging es nach Duisburg auf eine Großbaustelle, wo unten schon lackiert wurde und oben noch hochgebaut. Aus heutiger Sicht war mein Praktikum nicht besonders hochwertig, gelinde gesagt. Aber es eröffnete mir eine ganz neue Welt.
Was draus geworden ist könnt ihr auf den folgenden Seiten sehen.
Step by Step
"Handwerk hat doch immer noch goldenen Boden", dachte ich etwas naiv, als es mit dem Berufswunsch zur Tierpflegerin nicht so richtig klappte und ich relativ ideenlos war, was Alternativen anging.
Dass ich mein Herz an das Handwerk verlieren würde hätte ich damals wohl kaum für möglich gehalten. Umso dankbarer bin ich heute für meinen Lebensweg, bei dem ich immer meinem Herzen gefolgt bin.
Heute
Der Sprung ins kalte Wasser war ein wirklich großer Schritt für mich, doch die Aussage "es hat sich gelohnt", trifft das Ergebnis nicht mal annähernd.
Ich fühle mich heute so glücklich und frei wie man als Mitteleuropäerin nur sein kann und ich schätze mich sehr glücklich, dass ich mit tollen Menschen an so vielen tollen Projekten arbeiten darf.
Mehr und mehr finde ich meinen Platz in der Restaurierung und ökologischen Altbausanierung. In den letzten Jahren habe ich mir ein großes Netzwerk an versierten Handwerkern und Planern aufgebaut, die ihren Baustellen genauso viel Liebe und Fleiß widmen wie ich.
Besonders wichtig ist mir die Verwendung nachhaltiger und wohngesunder Baustoffe und der Respekt vor dem Gebäude. Altbauten haben von sich aus Charakter, und diesen darf man, wie ich finde, nicht in die Moderne zwingen. Wobei moderne Anbauten aus Glas oder Beton manchmal allerdings doch ihren Charme haben.
Die Wahl ökologischer Materialien lässt sich glücklicherweise wunderbar in der Restaurierung verwirklichen, denn die meisten Denkmäler, an denen ich tätig bin, stammen aus der Zeit vor der Petrochemie.
Lehm, Kalk, Leinöl und Holz, mehr braucht es nicht.
Architektur und Baudenkmalpflege
Die Zeit im Architekturbüro war für mich wahnsinnig lehrreich. Mein Hauptprojekt war ein denkmalgeschützes Fachwerkgebäude aus dem Jahr 1775, ein Traumprojekt für meinen Einstieg nach dem Studium, da konnte ich mich wirklich glücklich schätzen.
Trotzdem fehlte mir die Baustelle und zugegebenermaßen fällt es mir auch schwer, mich an feste Arbeitszeiten und geregelten Urlaub zu gewöhnen. Wie auch bei meinem beruflichen Werdegang lasse ich mich gerne von meiner Intuition und der Lust am Arbeiten leiten, und da kann es auch mal zu einer 60 h Woche kommen, genauso habe ich aber auch nichts gegen eine mehrwöchige Rucksackreise einzuwenden. Dies lässt sich bisweilen mit festen Arbeitsstellen schwer vereinbaren, was mich schlussendlich ermutigte, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.
Studium Bauen im Bestand, 2015-2018
Mehr oder weniger spontan begann ich im Herbst den Studiengang „Bauen im Bestand – Bachelor of Engineering“ der „Akademie Bauhandwerk“ in Kooperation mit dem Fachbereich Bauingenieurwesen der Fachhochschule Münster.
Da ich kurz nach den Prüfungen bereits meine Stelle im Architekturbüro für Baudenkmalpflege antrat und ich mit derart spannenden Projekten betraut war, reichte ich meine Bachelorarbeit erst im Sommer 2020 ein, was die Nerven meiner Lieblingsprofessoren auf eine harte Probe stellte. Dennoch, zu guter letzt darf ich mich nun auch "Bachelor of Engineering" nennen.
Holz - und Lehmbau, 2015
Die Zeit in der Lehmbaufirma hat in mir die Liebe zum Fachwerk geweckt.
Diese wunderschönen Zeugnisse der Handwerkskunst bestehen häufig schon seit mehreren Jahrhunderten und mit der richtigen Pflege und Wertschätzung trage ich dazu bei, dieses wertvolle Kulturgut zu bewahren.
Fachschule für Technik, 2012-2014
Zwei Jahre ging die Ausbildung an der Akademie Schloss Raesfeld, welche ich als "Staatlich anerkannte Technikerin in der Baudenkmalpflege und Altbausanierung- Fachrichtung Farbe & Stuck" erfolgreich abschloss.
Die Fachschule hat wohl für mich den Grundstein gelegt für den weiteren beruflichen Weg, denn hier lernte ich mehr als nur Deckel auf und Streichen, wie es heute leider so oft der Fall ist.
Hier lernte ich, selbst Rezepturen herzustellen, Untergründe gewissenhaft zu prüfen und welche Möglichkeiten uns auch heute noch die traditionellen Baustoffe bieten, ohne die Natur und unsere Gesundheit zu schädigen.
Maler- und Lackiererin, 2008-2012
Mit 19 Jahren begann ich meine Ausbildung zur Maler- und Lackierin, im Anschluss arbeitete ich noch ein Jahr als Gesellin, bevor ich mich für eine Weiterbildung in der Altbausanierung und Baudenkmalpflege auf Schloss Raesfeld anmeldete.